Arbeitskreis „Gesunde Führung“

 

Der Arbeitskreis (AK) „Gesunde Führung“ ist einer von fünf moderierten Arbeitskreisen, in denen sich Unternehmen in kleiner Runde zu einem vertieften Austausch treffen. Führung ist die zentrale Stellschraube für eine gesunde Unternehmenskultur. Wir greifen in diesem AK aktuelle Themen aus dem Führungsalltag auf, holen Experten-Know-how ein, lernen von guten Beispielen und diskutieren über eigene Erfahrungen. Zweimal jährlich werden die Arbeitskreise im Forum Betriebliches Gesundheitsmanagement zusammengeführt. (Dokumentation s. Forum BGM).

Moderation: Thomas Grap, Berufsgenossenschaft Holz und Metall
Kontakt: Wenn Sie den AK kennenlernen möchten, melden Sie sich bitte formlos per E-Mail bei Thomas Grap thomas.grap@bghm.de an. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Termine 2016:
Bitte wenden Sie sich an den AK-Moderator Thomas Grap thomas.grap@bghm.de.

Dr. Olaf Tscharnezki, leitender Arbeitsmediziner der Unilever Deutschland GmbH
Dr. Peter Krauss-Hoffmann, Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Über achtzig Unternehmensvertreter/-innen besuchten die Veranstaltung "Die Führungskraft unter Druck - gesund führen und dabei selbst gesund bleiben
V. l. n. r.: Dr. Olaf Tscharnezki, Unilever Deutschland GmbH, Evelyn Jürs, Leiterin des Arbeitskreises "Gesunde Führung", Susanne Sabisch-Schellhas, Projektleiterin ddn Hamburg, Dr. Peter Krauss-Hoffmann, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Die Führungskraft unter Druck - gesund führen und dabei selbst gesund bleiben

Achtzig Unternehmensvertreter suchten am Mittwoch, dem 29. Juli 2015, Antwort auf die Frage, wie Führungskräften der Ausweg aus der Stressfalle gelingen kann. Der Arbeitskreis Gesunde Führung im Demographie Netzwerk Hamburg hatte zu einem Austausch über den Umgang mit Stress im Arbeitsalltag eingeladen. Hintergrundwissen und Praxiserfahrung lieferten zwei fachkundige Experten: Dr. Olaf Tscharnezki, leitender Arbeitsmediziner der Unilever Deutschland GmbH, sowie Dr. Peter Krauss-Hoffmann vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, der den Teilnehmern/-innen das Projekt psyGA vorstellte. 

Dr. Olaf Tscharnezki hatte 2010 bei Unilever ein Programm zur Stressbewältigung eingeführt. Damit war er so erfolgreich, dass das Unternehmen als gutes Beispiel in den psyGA-Praxishilfen zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt genannt wird. Dr. Peter Krauss-Hoffmann vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellte den Teilnehmern/-innen das Projekt psyGA vor, das umfangreiche und praxiserprobte Materialien für die Anwendung im Unternehmen kostenlos zur Verfügung stellt. „Neben Erfahrungsberichten gibt es dort wertvolle Tipps, Checks und Informationen“, sagte Krauss-Hoffmann.

Der Anstieg an psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen etc. Hat in den letzten Jahren rapide zugenommen. Sie stehen laut Krauss-Hoffamnn inzwischen an zweiter Stelle, was die Arbeitsunfähigkeitstage angeht und sind eine der häufigsten Ursachen für Frühverrentung. Damit entsteht den Unternehmen ein immenser wirtschaftlicher Verlust durch Ausfallzeiten, den Krauss-Hoffmann auf 1.164,38 Euro pro Mitarbeitenden im Jahr beziffert.

Zusätzlich entstehen weitere Verluste durch Absentismus. Erhebungen nennen eine Ziffer von 27 Prozent, wobei die Dunkelziffer bei den präsenten aber demotivierten Mitarbeitern/-innen noch hinzukommt. Nur 50 Prozent der Beschäftigten zählen laut Tscharnetzki zur Gruppe der „happy well“, 25 Prozent sind „unhappy well“ und 20 Prozent kommen krank zur Arbeit. Nur 5 Prozent fallen aufgrund psychischer Probleme aus. „Psychische Erkrankungen werden noch immer stigmatisiert, obwohl sie eigentlich der ‚Normalfall‘ sind“, so Tscharnetzki, denn jeder 15te ist aktuell davon betroffen. Nach der 15-30-50-Formel erkranken sogar 50 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens.

Was folgt daraus für die Praxis?

Krauss-Hoffmann und Tscharnetzki verweisen auf die vielen praktischen Hilfen, die psyGA anbietet. In dem Informationsportal www.psyga.info finden sich Handlungshilfen für unterschiedliche Zielgruppen und Branchen, Seminare und E-Learning-Angebote, die jedem Unternehmen kostenfrei zur Verfügung stehen. „Mir haben diese Angebote bei der Umstzung sehr geholfen“, sagt Tscharnetzki. Er hat als leitender Betriebsarzt bei der Unilever Deutschalnd GmbH ein sehr erfolgreiches Programm zur Untestützung von Mitarbeitern/-innen entwickelt, das durch ein Netz von externen Angeboten flankiert wird. Führungskräfte werden in „We care workshops“ geschult, denn Unilever hat im Blick, dass Wachstum nur mit engagierten Mitarbeitern/-innen möglich ist. Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung werden als „Key Performance  Indicators“ im Unternehmen betrachtet und genutzt, um eine Kultur des Vertrauens und des offenen Umgangs zu etablieren. 

Ergebnisse des Austausches

Die Vorträge initiierten eine lebhafte Diskussion in den drei folgenden moderierten Gesprächsrunden. An erster Stelle sahen die Unternehmen die Notwendigkeit, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. Die Teilnehmer/-innen wünschten sich konkrete Instrumente und Handlungsempfehlungen, um die Führungskräfte im Unternehmen für den offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen zu sensibilisieren.

Als schwierig wurde benannt, wie Führungskräfte sowie Mitarbeiter/innen zu erreichen und nachhaltige Effekte zu erzielen sind. Einmalige Workshops „verpuffen“ oftmals im Alltagsgeschäft. Hoch zu bewerten ist die Vorbildfunktion der Führungskraft. Wenn sie für die eigene Gesundheit sorgt und dieses auch den Mitarbeitern/-innen zugesteht, wird dieses Verhalten übernommen. Dagegen stehen oft wirtschaftliche Zwänge in Form von Kennzahlenerfüllung und Leistungs- und Produktivitätsvorgaben, die kurzfristig zu erfüllen sind. Infrage gestellt wurde die Zielvorgabe „Schneller, höher, weiter“, wenn darunter die Gesundheit leide. In der Diskussion stellte sich dabei immer wieder die Frage, wie die Rolle der Führungskraft definiert und ausgefüllt werden kann. 

Verfahren und Methoden zur Überprüfung der Wirksamkeit und als Argumentationshilfen gegenüber der Unternehmensleitung sollten ebenfalls Themen für den weiteren Austausch sein.

Wie geht es weiter?

Alle interessierten Unternehmen sind herzlich eingeladen, den Austausch im Arbeitskreis „Gesunde Führung“ am 4. November 2015, 16:00 bis 18:00 Uhr, in der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V., fortzusetzen.

Dokumente:

Maike Frank, Philips Medical Systems DMC GmbH
Christiane Lieb, Landesstelle für Suchtfragen e. V.
Evelyn Jürs, GfGR mbH, moderiert den Arbeitskreis „Gesunde Führung"

Umgang mit Suchterkrankungen – Betriebliche Praxis bei der Philips Medical Systems DMC GmbH 


Arbeitskreis „Gesunde Führung“ regt Erfahrungsaustausch an


Sucht ist in nahezu allen Unternehmen ein Thema, denn laut Statistik ist in Deutschland jede 5. Erwerbsperson von einer Suchtproblematik betroffen. Dennoch sind viele Unternehmen unsicher, was sie im Umgang mit Suchterkrankten leisten können oder auch müssen. 

Meike Frank, Marketing Assistentin und Kollegiale Ansprechpartnerin BGM bei der Philips Medical Systems DMC GmbH, berichtete am 11. November 2014, 15:30 bis 18:00 Uhr, im neu gegründeten Arbeitskreis „Gesunde Führung“ über Ihre Erfahrungen.

Frau Frank stellte in Ihrem Vortrag den Umgang mit Suchterkrankungen in der betrieblichen Praxis bei der Philips Medical Systems DMC GmbH vor. Sie gab Hinweise, worauf Unternehmen bei der Umsetzung achten müssen und ging dabei auch auf Stolpersteine, Hürden und Widerstände ein. Bei der Umsetzung der Maßnahmen wird das Unternehmen von dem Hamburger Beratungsunternehmen Bigut unterstützt, das im Themenbereich psychische Gesundheit – insbesondere zur „Abhängigkeit“– Kompetenz und Erfahrung besitzt. Karsten Schneider, Inhaber und Gründer, beschrieb den idealtypischen Prozess und die rechtlichen Grundlagen, z. B. bei der Einführung einer Betriebsvereinbarung.

Der Arbeitskreis hat die Suchtproblematik bereits in der Auftaktveranstaltung am 10. September 2014 aufgegriffen. Christiane Lieb, Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen e. V., führte in Ihrem Vortrag unter folgenden Fragestellungen in die Thematik ein:

  • Wie erkenne ich als Arbeitgeber Warnsignale und wie kann ich darauf reagieren?
  • Welche Standards und Vorgaben muss ich als Arbeitgeber beachten?
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen psychischen Belastungen und Suchterkrankungen?
  • Wie gehe ich als Vorgesetzter/Kollege mit einem Suchterkrankten um?
  • Welche konkrete Hilfestellung kann der Arbeitgeber leisten?

Frau Lieb wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass sich ein riskanter Konsum von Alkohol, illegalen Drogen oder Medikamenten negativ auf das Betriebsergebnis auswirke. Umso wichtiger sei es, in die betriebliche Suchtprävention und in die Unterstützung von erkrankten Mitarbeitern/-innen zu investieren. Sie ging auf die Grundlagen betrieblicher Intervention, Instrumente der Suchtprävention und die Interventionsstufen betrieblichen Handelns ein. Der Führungskraft kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Nach reger Diskussion wünschten die Teilnehmer/-innen die Fortsetzung des Austausches, um u.a. über Handlungsleitfäden und Betriebsvereinbarung zum Thema „Sucht“ zu sprechen. 

Der Arbeitskreis „Gesunde Führung“ ist eines von vier Angeboten des Forums betriebliches Gesundheitsmanagement im Demographie Netzwerk Hamburg. Hier können Unternehmen im kleineren Kreis Erfahrungen und Konzepte austauschen und voneinander lernen.

Präsentationen zum Download:

  • Den Vortrag von Christiane Lieb,  Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen e. V., finden Sie hier.
  • Impulsvortrag von Meike Frank, Philips Medical Systems DMC GmbH und Karsten Schneider, Bigut

Informationen zu weiteren Foren und Arbeitskreisen erhalten Sie im Internet unter http://hamburg.ddn-regionalnetzwerk.de und www.kwb.de/ddn.html.

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