Veranstaltungen



ddn-Aktionstag „Arbeiten 4.0“ am 20.11.2016 in Hamburg

„Vernetzt, digital, flexibel – Herausforderungen in der Arbeitswelt 4.0“

Viola Kerssenfischer, ThoughtWorks Deutschland GmbH

Was erwartet uns in der Arbeitswelt der Zukunft? Der ddn- Aktionstag "Arbeitswelt 4.0" griff am 20.10.2016 mit bundesweiten Veranstaltungen den fortschreitenden Prozess der Digitalisierung und die daraus resultierenden Veränderungen für Unternehmen und Mitarbeiter/-innen auf. In Hamburg berichteten Steffen Müller, HPA Hamburg Port Authority AöR und Viola Kerssenfischer, ThoughtWorks Deutschland GmbH, vor mehr als 60 Personalverantwortlichen und weiteren Gästen in der KWB e. V. über Chancen und Herausforderungen auf dem Weg zu Arbeiten 4.0.

Der Sog der Digitalisierung erfasst annähernd jedes Unternehmen – mit weitreichenden Folgen. Denn betroffen sind nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die die Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse. Unter dem Schlagwort „Arbeiten 4,0“ verbirgt sich ein grundlegender Wandel der sowohl die Unternehmens- und Personalführung als auch die Anforderungen an die Beschäftigten betrifft. „Wir möchten uns am Aktionstag mit Personalverantwortlichen und Führungskräften darüber austauschen, welche Veränderungen durch Digitalisierung in ihrem Unternehmen bereits stattfinden oder erwartet werden und wie sie ihre Mitarbeiter/-innen in auf diesen Prozess vorbereiten“, führte Susanne Sabisch-Schellhas, Leiterin des Demographie Netzwerkes Hamburg in die Veranstaltung ein. Von den Teilnehmenden meinte mehr als ein Drittel, der digitale Wandel wirke sich in ihrem Unternehmen zunehmend aus, jeweils ein Viertel beurteilte die Auswirkungen jeweils als stark und sehr stark und nur ein Zehntel war indifferent.

Steffen Müller, HPA Hamburg Port Authority AöR

In seinem Impulsvortrag stellte Steffen Müller die Einführung einer App-basierten Kollaborationsplattform im Unternehmensbereich Entwicklungsvorhaben der Hamburg Port Authority vor. Dabei ging er darauf ein, wie sich die Strukturen im Unternehmen verändert haben und wie die Mitarbeiter/-innen mit auf den Weg genommen wurden. Der zweite Vortrag ging besonders auf die Gestaltung neuer Arbeitswelten ein und welche Auswirkungen für den einzelnen damit verbunden sind. Viola Kerssenfischer erlebt bei ThoughtWorks bereits verschiedene Formen der digitalen Kollaboration wie Tech Labs, intelligente Meeting-Systeme, globale Talent Pools, globale digitale Communities und remote work (ortsunabhängiges Arbeiten). Das international agierende IT-Unternehmen entwickelt und verbreitet Software-Lösungen und sieht im technologischen Fortschritt eine Triebfeder für positive gesellschaftliche Veränderungen. Diese Vision verbindet die Mitarbeiter/-innen und stärkt das Commitment mit dem Unternehmen. Positiv erlebt Kerssenfischer ein verändertes Wertesystem mit dem Abbau von Hierarchien, mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit, einer offenen Fehlerkultur, der Weitergabe von Wissen und einer aktivierenden Lernkultur.

Nach den Impulsbeiträgen fand in vier Gesprächskreisen ein reger Austausch statt. Die Teilnehmer/-innen hoben die positiven Aspekte der Digitalisierung, die auch von den Impulsgebern/-innen schon aufgezeigt wurden, noch einmal hervor: Durch Digitalisierung wird die Produktion effektiver, stupide Tätigkeiten entfallen, die Prozesse werden schneller und effizienter, Wissen ist überall für alle verfügbar, vernetzte Systeme koordinieren Abläufe und verhindern Reibungsverluste, Transparenz und Kundenorientierung nehmen zu. Doch von den Mitarbeitern/-innen wird auch eine andere Haltung gefordert. Digitalisierung impliziert ständigen Wandel, die Bereitschaft zu lebensbegleitendem Lernen, zum Abbau von Schranken (Alter, Geschlecht, Hierarchien, Nationalitäten, Religionszugehörigkeit etc.), zum Teilen von Wissen, zur Flexibilität (von Zeit und Ort). Beim letzten Punkt knüpften einige Befürchtungen der Teilnehmer/-innen an: Immer und überall verfügbar sein – schadet das nicht der Gesundheit? Ständige Change Prozesse – können wir da alle mitnehmen, besonders die Älteren? Sichert die Gesetzgebung die neuen Arbeitsformen ab? Wie kann die Informationsflut gelenkt, wie das richtige Tool ausgewählt werden? Trotz aller Kritik, sahen die Teilnehmer/-innen in der Digitalisierung eher eine Chance zur Wahrnehmung individueller Interessen und Entwicklungschancen bei den Beschäftigten. Entscheidend wird sein, wie wir die Arbeitsbedingungen mitarbeiterorientiert gestalten und wie wir es schaffen, alle auf dem Wege mitzunehmen.

Die Diskussion mit den Studierenden des Master-Programms Psychologie aus dem Kurs „Arbeits- und Organisationspsychologie“ der Jacobs University Bremen zeigte, dass die Einstellung junger Menschen zur Digitalisierung genauso variieren kann wie bei den Älteren. Sicherlich sind sie im Umgang mit digitalen Medien aufgewachsen, aber die Affinität zur Technik ist dennoch unterschiedlich stark ausgeprägt. Neben dem Vorteil, die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben flexibler handhaben zu können, sahen sie auch die Gefahr mangelnder Abgrenzung. „Wie wir den digitalen Wandel erleben, ist vor allem eine Frage der inneren Haltung“, fasste ein Teilnehmer zusammen, „und das gilt für Jung wie für Alt“.


13.07.16
ddn-Fachkongress präsentiert Praxislösungen

Senatorin Dr. Melanie LeonhardSenatorin Dr. Melanie LeonhardVon anderen Unternehmen lernen und Demografie aktiv gestalten – mit dieser Erwartungshaltung kamen rund 250 Unternehmer/-innen am Mittwoch, dem 13. Juli 2016 zur Fachveranstaltung "Vielfalt heute und morgen gestalten! Erfolgreiche Konzepte aus Unternehmen", zu dem das Demographie Netzwerk Hamburg und die Initiative Neue Qualität der Arbeit geladen hatten. Senatorin Dr. Melanie Leonhard erläuterte vor Ort die Hamburgische Fachkräftestrategie. Dabei betonte sie die Notwendigkeit, alle Fachkräftepotenziale des Arbeitsmarktes bestmöglich zu integrieren.

V. l.: Hansjörg Lüttke (KWB), Susanne Sabisch-Schellhas (KWB/ddn), Dr. Melanie Leonhard (BASFI), Rudolf Kast (ddn), Martina Schmeink (ddn) und Kristian Tangermann (BMAS). Foto: © Jens HannewaldV. l.: Hansjörg Lüttke (KWB), Susanne Sabisch-Schellhas (KWB/ddn), Dr. Melanie Leonhard (BASFI), Rudolf Kast (ddn), Martina Schmeink (ddn) und Kristian Tangermann (BMAS). Foto: © Jens Hannewald"Wir werden noch weitere Wege finden müssen, Fachkräftepotenzial in unserem Land zu heben", so Senatorin Dr. Melanie Leonhard, die als Schirmherrin der Veranstaltung das Grußwort sprach. Auch wenn Hamburg im Verhältnis zu anderen Bundesländern im Vorteil sei, da das Angebot an Erwerbspersonen zurzeit noch steige, sähen die Prognosen eine Abnahme voraus. Senatorin Leonhard verwies auf vier zentrale Handlungsfelder zur Fachkräftesicherung: 1. Jungen Erwachsenen egal welcher Herkunft den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. 2. Frauen gute und gerechte Chancen sowie flexible Arbeitsmodelle zu bieten. 3. Ältere Menschen länger in Arbeit zu halten beziehungsweise einen Wiedereinstieg zu ermöglichen. 4. Die Integration von Zuwanderern. Das Demographie Netzwerk Hamburg, als Teil der Hamburgischen Fachkräftestrategie, arbeitet zusammen mit Unternehmern/-innen an diesen Handlungsfeldern und treibt die Fachkräftesicherung auf diese Weise voran.

Kristian Tangermann vom Bundes-ministerium für Arbeit und Soziales. Foto: © Jens HannewaldKristian Tangermann vom Bundes-ministerium für Arbeit und Soziales. Foto: © Jens HannewaldKristian Tangermann vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales machte den Wandel der Arbeit zum Hauptthema. "Wir sehen drei Megatrends: Die Demografie, die Globalisierung mit all ihren Folgen und die Digitalisierung", so Tangermann. Die qualitative Studie "Wertewelten Arbeiten 4.0" des Bundesministeriums habe zudem verdeutlicht, dass auch die Erwartungen von Arbeitnehmern/-innen heutzutage völlig unterschiedlich seien. Eine "one-fits- all-Lösung" sei nicht mehr angebracht. "Ich freue mich daher, dass Sie alle heute hier sind und Ihre Erfahrungen sowie Ansätze weitergeben wollen", schloss er sein Grußwort.

Ulrike Riedel (Hamburger Hochbahn AG, Ulrich Straehler-Pohl (Moderation), Petra Lotzkat (BASFI), Rudolf Kast (ddn) (v. links)Ulrike Riedel (Hamburger Hochbahn AG, Ulrich Straehler-Pohl (Moderation), Petra Lotzkat (BASFI), Rudolf Kast (ddn) (v. links)Mit der Erfahrungsweitergabe startete Ulrike Riedel, Vorstand Personal und Betrieb der Hamburger Hochbahn AG, und beschrieb in der Podiumsdiskussion die Strategien ihres Unternehmens. So solle unter anderem im Herbst 2016 eine Ausbildungsklasse für Busfahrer/-innen starten, die um Deutschkurse und den Erwerb des PKW-Führerscheins ergänzt sei. Die zusätzlichen Qualifizierungen sollten unter anderem Geflüchteten den Abschluss der Ausbildung sowie eine Übernahme in den Betrieb erleichtern. Petra Lotzkat, Leiterin des Amtes für Arbeit und Integration in der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, warb für mehr Verständnis für die Bedarfslage vieler Geflüchteter. Viele von ihnen hätten das übergeordnete Ziel, ihre Familie zu versorgen, und teilweise wenig, Kenntnis über oder Verständnis für langwierige Ausbildungen. Der ddn-Vorstandsvorsitzende Rudolf Kast forderte die Unternehmen heraus, in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen aller Beschäftigungsgruppen zur Fachkräftesicherung noch mehr Kreativität an den Tag zu legen. 

Highlights aus den Foren präsentiert von Elisabeth Wazinski (KWB), Cornelia Schmidt (KWB), Susanne Fees (ausblick Hamburg GmbH), Gabriele Hoffmeister-Schönfelder (Kontor)Highlights aus den Foren präsentiert von Elisabeth Wazinski (KWB), Cornelia Schmidt (KWB), Susanne Fees (ausblick Hamburg GmbH), Gabriele Hoffmeister-Schönfelder (Kontor)Die Best-Practice-Unternehmen in den Praxisforen konnten diese Kreativität gleich unter Beweis stellen. Sie präsentierten Lösungsansätze und Erfahrungsberichte, die im Forum diskutiert wurden. Zusammenfassungen und Präsentationen finden Sie über die folgenden Links:

Forum 1 | Geflüchtete – Partizipation in Betrieben. Wie gelingt uns ein gutes Miteinander?

Forum 2 | Talent Management – Potenziale entdecken. Wie können wir Mitarbeiter/-innen gezielt fördern? 

Forum 3 | Mit Handicap – ohne Barriere. Wie setzen wir Inklusion erfolgreich um? 

Forum 4 | Wissen halten – Zukunft sichern. Wie gestalten wir den Wissenstransfer? 

 

Sarah Fix-Bähre, Google DeutschlandSarah Fix-Bähre, Google Deutschland Der Schlüssel zur Mitarbeitergewinnung und -bindung sei die Unternehmenskultur, so Sarah Fix-Bähre. Als Managerin bei Google Deutschland berichtete die Keynote-Sprecherin von den Strategien eines Global Players. Die Unternehmenskultur sei von Kreativität und Herausforderung geprägt, so wie es schon die Gründer festgelegt hätten. Sieben zentrale Bedingungen legte sie anhand von Beispielen und Theorien dar: Vielfalt, eine Mission, Freiheit & Verantwortung, Anerkennung, Lernen & Entwickeln, Dialog & Feedback sowie Transparenz. Die Folien zum Vortrag der Google-Managerin Sarah Fix-Bähre finden Sie hier.

Hansjörg Lüttke (KWB), Senatorin Dr. Melanie Leonhard und Susanne Sabisch Schellhas (ddn/KWB) beim Rundgang durch die Themeninseln (v. links)Hansjörg Lüttke (KWB), Senatorin Dr. Melanie Leonhard und Susanne Sabisch Schellhas (ddn/KWB) beim Rundgang durch die Themeninseln (v. links) Susanne Sabisch-Schellhas, Projektleiterin des Demographie Netzwerkes Hamburg, zeigte sich zum Ende des Fachtages zufrieden. "Die sinkende Bevölkerungszahl und der steigende Altersdurchschnitt zwingen Unternehmen, Arbeit neu zu denken. Mit der Veranstaltung wollten wir ihnen Best-Practice-Unternehmen vorstellen, die von ihren Lösungsansätzen und Erfahrungswerten berichten. Das Feedback, das wir bisher erhalten haben, zeigt uns, dass wir damit das richtige Angebot gesetzt haben." Hansjörg Lüttke, Geschäftsführender Vorstand der KWB e. V., ergänzt: "Ihre Beteiligung am Hamburger ddn-Netzwerk ist kostenfrei. Wir erwarten allerdings, dass Sie das Wertvollste einbringen, über das Sie verfügen: Ihre Zeit und Ihr Wissen!"

Impressionen aus Forum 3

Impressionen aus Forum 2

Impressionen aus Forum 2

Impressionen aus Forum 4

Impressionen aus Forum 4

Impressionen aus Forum 4

Impressionen aus Forum 1

Das Hamburg Journal berichtete in seiner Ausgabe vom 13. Juli 2016 (ab Minute 12:53) von der Fachtagung. 

 

 


Quelle: „Foto: BMAS“
Quelle: „Foto: BMAS“
Dr. Markus Schwertel, Internet & Gesellschaft Collaboratory e. V., Quelle: „Foto: BMAS“
Dirk Fröhlich, time2BI GmbH,Quelle: „Foto: BMAS“
Julie Linnert-Epple, Robert Bosch GmbH, Quelle: „Foto: BMAS“
In Gesprächskreisen vertieften Teilnehmer/-innen und Referenten/-in den Austausch, Quelle: „Foto: BMAS“
Quelle: „Foto: BMAS“
Quelle: „Foto: BMAS“

27.10.2015
Fachkräftewoche: Arbeiten 4.0 – Chancen und Risiken des digitalen Wandels
Veranstalter: Demographie Netzwerk Hamburg und „Diversity4U“ 

„Wie werden wir in Zukunft leben und arbeiten?“, darüber diskutierten im Rahmen der Fachkräftewoche mehr als 40 Gäste des Demographie Netzwerkes Hamburg und des Projektes „Diversity4U“ am 27. November 2015 in der KWB e. V.. „Der digitale Wandel umfasst mehr als die Digitalisierung analoger Daten, er beschreibt vielmehr einen tiefgreifenden Prozess, der unser Leben und Arbeiten entscheidend verändern wird“, leitete Dr. Markus Schwertel, Internet & Gesellschaft Collaboratory e. V., seinen Impulsvortrag ein.

„Mit Industrie 4.0 befinden wir uns mitten in der vierten industriellen Revolution“, konstatierte der Referent. Nach der Einführung der Dampfmaschine (1.0), des Fließbandes und der Elektrizität (2.0) und der Automatisierung (3.0) kommt heute mit der Einzelfertigung im Industrieformat (4.0) eine weitere Stufe in Richtung größerer Effizienz hinzu. Dr. Schwertel gab jedoch zu bedenken, dass es nicht allein darum gehe, durch die Umwandlung von „analog“ nach „digital“ noch schneller zu werden. Es müsse auch immer geprüft werden, ob die Prozesse sinnvoll sind. Und es sei wichtig, die Menschen mitzunehmen. Der Wandel ist bereits angekommen und hält Einzug in alle Bereiche der Wirtschaft, von der Großindustrie bis hin zur Landwirtschaft. Arbeit wird digital und vernetzt und damit auch flexibler. Das wirft Fragen zur Gestaltung der Arbeit und zu den Arbeitsverhältnissen auf. Immer weniger Arbeitnehmer/-innen sind heute noch im klassischen Normalarbeitsverhältnis - Vollzeit in Festanstellung - beschäftigt. Plattformarbeit setzt einen neuen Verhandlungsrahmen, für den die bisherigen Mitbestimmungsinstrumente der sozialen Marktwirtschaft möglicherweise nicht mehr ausreichen.

Dirk Fröhlich, time2BI GmbH, beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Thema Massendaten, Datenanalyse und Datenschutz sowie der Datensicherung. Time2BI GmbH analysiert Unternehmensdaten und entwickelt intelligente Lösungen für die Datenorganisation innerhalb eines Unternehmens. Abteilungsbezogene und dezentral in Datensilos gespeicherte Daten werden in einem Data Warehouse zusammengeführt. „Big Data“, die Explosion unstrukturierter Daten, die durch mobile Daten, Clouds, Social Media etc. entstehen, sind neben den Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Rohstoffen das neue Gold der Wirtschaft. Umso wichtiger sei, so betonte Herr Fröhlich, dass jeder Nutzer sehr sorgfältig mit der Preisgabe von persönlichen oder sensiblen Daten umgehe. Er räumte dem Datenschutz größte Priorität ein, auch wenn es in der Praxis oft unbequem sei, auf die AGB’s zu achten. Der Referent forderte einen Kulturwandel im Umgang mit Daten und empfahl Unternehmen, unbedingt einen Datenschutzbeauftragten zu benennen. 

Wo der digitale Wandel schon heute in der Unternehmenspraxis angekommen ist, zeigte Julie Linnert-Epple anhand eines Filmes der Robert Bosch GmbH. In globalen Märkten könne kein Unternehmen bestehen, das nicht auch auf digitale Vernetzung setze, sagte die Referentin. Damit wandeln sich auch die Arbeitsplätze und die Anforderungen an die Mitarbeiter/-innen. Wenn Computer und Maschinen Arbeiten übernehmen, entfallen sowohl einfache Arbeiten als auch anspruchsvollere Tätigkeiten. Es entstehen aber auch neue Aufgaben. An- und Ungelernte könnten intern fortgebildet werden, beispielsweise unter Nutzung von Förderprogrammen wie WeGeBau, um anschließend höher qualifizierte Tätigkeiten zu übernehmen. Führungskräfte sollten mehr und mehr zu Netzwerkern werden, denn vernetztes Arbeiten erfordere eine neue Führungskultur.

Welche Kompetenzen sind zukünftig gefragt? Die Robert Bosch AG sieht vor allem Methodenkompetenz und soziale Kompetenzen im Fokus wie Teamfähigkeit, Bereitschaft zum Teilen von Wissen, Offenheit gegenüber Neuem, und fördert diese bereits in der Berufsausbildung.

Im Anschluss an die Kurzvorträge vertieften die Teilnehmer/-innen die Themen im Gespräch mit den Referenten/-innen.  In Kleingruppen tauschten Sie sich zu Chancen wie Risiken des digitalen Wandels miteinander aus und trugen zusammen, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung im Unternehmen gegeben sein sollten. 

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Fachkräftewoche statt, in der deutschlandweit Aktivitäten zur Fachkräftesicherung durchgeführt wurden. Initiator ist die ,,Partnerschaft für Fachkräfte" unter Vorsitz von Bundesministerin Andrea Nahles. Unterstützt wurde die Aktion von der Initiative INQA Neue Qualität der Arbeit.

 

Präsentationen zum Download


Vorstand und Regionalleiter des ddn e. V. tagten in Hamburg
Rudolf Kast, Martina Schmeink, Susanne Sabisch-Schellhas und Dr. Rainer Thiehoff (v. links)
Martina Schmeink koordiniert die Regionalnetzwerke im ddn e. V.

Unternehmensnetzwerk ddn e. V. auf Zukunftskurs

ddn Vorstand zu Gast in Hamburg


Das Demographie Netzwerk e. V. – Dachorganisation von 19 regionalen Demographie Netzwerken bundesweit – war am 8. und 9. September 2015 bei der KWB e. V. zu Gast. Im Anschluss an die interne Vorstandssitzung erweiterte sich der Kreis um die Regionalnetzwerk- und Facharbeitskreisleiter/-innen. Im Austausch generierten die Teilnehmer/-innen aus dem ganzen Bundesgebiet Ideen für die Zukunft des Demographie Netzwerkes. Das regionale Netzwerk ddn Hamburg präsentierte als Best-Practice-Beispiel, wie ein erfolgreiches Netzwerk für Unternehmen aufgebaut werden kann. Der Erfolg basiert auf der langjährigen Expertise der KWB e. V., die  in allen demographierelevanten Handlungsfeldern Lösungen anbietet. 

Seit 2006 verbindet ddn Das Demographie Netzwerk e. V. Unternehmen, die ihre Personalpolitik an den aktuellen Herausforderungen ausrichten. In 19 regionalen Netzwerken trägt ddn e. V. bundesweit generiertes Know-how in die Regionen und passt das Angebot an die jeweiligen Bedarfe vor Ort an. In Hamburg ist ein Netzwerk entstanden, dass Unternehmen einen kontinuierlichen Austausch in fünf Foren, vier Arbeitskreisen, zahlreichen Workshops, Fachtagungen und Informationsveranstaltungen ermöglicht. Bislang haben mehr als 400 Unternehmen und rund 800 Personen 65 dieser Angebote wahrgenommen.

Damit ist Hamburg eines der erfolgreichsten Regionalnetzwerke, was nicht zuletzt auf die Einrichtung einer Netzwerkstelle zurückzuführen ist, die durch die Behörde für Arbeit, Familie und Integration finanziert wird. Wesentlich für die Arbeit vor Ort ist aber auch die Unterstützung durch die ddn Geschäftsstelle. Hier werden neue Ideen, Konzepte und Materialien entwickelt und den Regionen zur Verfügung gestellt. 

Ende des Jahres läuft eine mehrjährige Projektförderung durch das Bundesarbeitsministerium aus, so dass strukturelle Veränderungen notwendig werden. Um das Leistungsspektrum zu erhalten, haben Vorstand und Geschäftsstelle ein umfassendes Konzept erarbeitet. Dessen Umsetzung gelingt umso leichter, je rascher der Verein wachsen wird. "Schon jetzt bündeln wir die Expertise von über 400 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Entscheidungsträgern. Wer ddn Mitglied wird, signalisiert Kunden und Beschäftigten: unser Unternehmen steht für eine generationengerechte Unternehmenskultur und demographiefeste Arbeitsplätze", erläutert ddn-Geschäftsführer Dr. Rainer Thiehoff.

Chancen gegen den Fachkräftemangel sieht ddn in der Nutzung vorhandener Ressourcen. Dieses betrifft ganz aktuell die Flüchtlinge, die in großer Zahl zu uns kommen und ein großes Potenzial an Arbeitskräften darstellen. Weitere Ideen sind in der Pipeline: die Beförderung der „Second Career“, die Entwicklung neuer Qualifizierungskonzepte, ein Projekt für überbetriebliche Tätigkeitswechsel in KMU, Informationen über die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Unternehmen und deren Beschäftigte sowie neue Formate, um das Know-how der Facharbeitskreise in die Unternehmen zu tragen. In Planung ist auch ein jährlicher Aktionstag zur Generationengerechtigkeit in der Arbeitswelt, der Unternehmen auf Chancen und Handlungsfelder aufmerksam macht.


Autorin Margaret Heckel
Autorin Margaret Heckel
V. l.: Stefan Burkötter, Margaret Heckel, Niels Gundermann, Rudolf Kast und Karin Haist
Rudolf Kast, Das Demographie Netzwerk e. V., plädiert für Veränderungen in den Unternehmen
Reger Austausch beim Networking

Aus Erfahrung gut. Wie Ältere die Arbeitswelt erneuern

Ideen für Unternehmen im demographischen Wandel

Der Einladung zur Abschlussveranstaltung der Ideentour „Länger leben – länger arbeiten“ folgten am Mittwoch, dem 26. November 2014, mehr als 120 Personalverantwortliche und Demographie Experten/-innen in das Körberforum, um sich über Handlungskonzepte zur erfolgreichen Bewältigung des demographischen Wandels zu informieren.

Die Autorin Margaret Heckel präsentierte gute Beispiele aus Unternehmen, die mit kreativen und effektiven Lösungen auf die Veränderungen in der Arbeitswelt reagiert haben. Ein Vorzeigeprojekt hat das BMW Werk in Dingolfing umgesetzt, das den Produktionsprozess am Band durch Arbeitsplatzrotation und gesundheitsverträgliche Arbeitsplatzgestaltung demographiefest umgestaltet hat – zum Nutzen für alle Altersgruppen.


Viele der Maßnahmen sind auch in kleinen und mittleren Unternehmen umsetzbar, oftmals sogar schneller und individueller, bedingt durch die kürzeren Entscheidungswege. Beispielsweise hat ein Handwerksbetrieb altersgemischte Teams eingeführt, in denen Alt und Jung voneinander lernen und sich gegenseitig ergänzen. In Zeiten des Fachkräftemangels werden Unternehmen flexibler, berichtet Heckel. Arbeitgeber kommen individuellen Wünschen ihrer Mitarbeiter/-innen eher entgegen. So gewährte der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf einem seiner Ingenieure ein Sabbatical für eine Erlebnisreise.


Auch in der Rekrutierung werden ungewöhnliche Wege beschritten, wie ein Bäckereibetrieb zeigt, der Menschen ohne Berufsausbildung und Frauen nach der Familienphase als Senior Azubis ausbildet.


Die zentralen Botschaften für Unternehmen im demographischen Wandel sind für Heckel, den Mitarbeitern/-innen mehr Autonomie zu schenken und ihnen größere Wertschätzung entgegenzubringen. Doch was ist davon bislang in den Unternehmen angekommen? Hat sich die Arbeitswelt bereits soweit verändert, dass Menschen gerne und länger arbeiten möchten? Stefan Burkötter, Hauptpersonalrat, Techniker Krankenkasse, bezweifelt es. Obwohl das Unternehmen mehrfach als Arbeitgeber ausgezeichnet wurde und über einen Lebensarbeitszeit-Tarifvertrag flexible Arbeitszeitmodelle anbietet, möchten viele Mitarbeiter/-innen so früh wie möglich in Rente gehen. Das Publikum stimmte zu, dass strukturelle Veränderungen zunächst häufig auf Widerstand stoßen. Als Beispiel nannte ein Betriebsratsmitglied eines Hamburger Unternehmens Akzeptanzprobleme bei der gesundheitsverträglichen Umgestaltung der Schichtarbeit.


Die sukzessive Einführung einzelner Maßnahmen kann dabei als Lösung dienen. Selbst in den Köpfen der Führungskräfte sei der demographische Wandel noch nicht angekommen, gab Niels Gundermann, Geschäftsführer der Fürstenberg Institut GmbH, zu bedenken. Er vermisse die Bereitschaft zur Prävention im Gesundheitsbereich, trotz der steigenden Anzahl psychischer Erkrankungen, und die Bereitschaft, den Fokus auf ältere Beschäftigte zu richten. Rudolf Kast, Vorstandsvorsitzender des Demographie Netzwerkes e. V., hält ein Umdenken für unausweichlich. Er sieht den Schlüssel für Veränderung bei den Führungskräften. Sie würden durch den demographischen Wandel gezwungen, stärker auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter/-innen einzugehen, um die knapper werdenden Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Kast plädierte für die "Lust am Lernen, ein Leben lang" und mehr Wertschätzung für ältere Mitarbeiter/-innen. Auch wirtschaftlich gesehen würden demographiegerechte Unternehmen laut wissenschaftlicher Studien durch einen höheren Return on Invest profitieren. Den Motor für Veränderungen sieht Kast im Mittelstand, der nach Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten die deutsche Wirtschaft dominiert.


Am Ende der Diskussion stand das Eingeständnis, dass ein Paradigmenwechsel im Altersbild und ein Strukturwandel in der Arbeitswelt Zeit benötigen. Nach jahrelanger Praxis der Frühpensionierung und einem Überangebot an Arbeitskräften müsse nun umgedacht werden. Davon sind Arbeitgeber wie Arbeitnehmer/-innen betroffen. Die Veränderung von Einstellungen und von Strukturen in Unternehmen ist jedoch durch den demographischen Wandel notwendig geworden. Einige Vorreiter zeigen, wie es geht – nun gilt es, davon zu lernen und eigene Wege zu finden.




Waltraut Haupts, Iwan Budnikowski GmbH & Co. KG: "Die Fotos wurden alle im frühen Sommer bei einem unserer Startseminare aufgenommen. Wenn gehörlose Mitarbeiter bei uns anfangen zu arbeiten, werden sie wie alle anderen Mitarbeiter auch zu dem Startseminar eingeladen. Hier lernen sie die verschiedenen Bereiche kennen und insbesondere die Geschäftsleitung. Unseren gehörlosen Mitarbeitern stellen wir Dolmetscher zur Seite."
Hansjörg Lüttke, GF Vorstand der KWB e. V., bei der Begrüßung der Gäste
Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group
Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group, Klaus Becker, Inklusionsbüro Hamburg, Waltraud Haupts, Mitarbeitervertreterin der Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG, Heike Clauss, Forschungsprojekt „hörkomm“, DIAS GmbH und Hansjörg Lüttke, GF Vorstand, KWB e. V. (von links)

Kaminabend „Arbeitswelt inklusiv – Beispiele aus der Unternehmenspraxis“

Positive Erfahrungen besiegen Berührungsängste und Vorbehalte

Wie Inklusion in Unternehmen gelebt wird, präsentierten die Otto Group und die Iwan Budnikowsky & Co KG auf dem Kaminabend „Arbeitswelt inklusiv“, den das Demographie Netzwerk Hamburg und das Inklusionsbüros Hamburg am 18. September 2014 gemeinsam ausgerichtet hatten.

Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group, zeigte am Beispiel einer Kollegin mit Down-Syndrom auf, wie positiv sich Vielfalt auf das soziale Miteinander auswirkt: „Ihre Fröhlichkeit ist einfach ansteckend und sie hat ein sehr feines Gespür für Stimmungen. Wir schätzen es sehr, dass sie die Dinge sehr offen und direkt anspricht.“ Der Getränkeservice für die Mitarbeiter/-innen trägt außerdem zu einer gesunden Pause mit bei. Für die Einarbeitung hat Herr Krohn, der die junge Frau im Unternehmen betreut, die Hamburger Arbeitsassistenz zu Rate gezogen, die ihn auch weiterhin beratend unterstützt.

Die Otto Group hat 20111 ein übergreifendes Diversity Konzept entwickelt, das Menschen mit Behinderungen als eine der vier Fokusgruppen adressiert. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdruckes in der Branche wird Vielfalt als Chance gesehen, Mitarbeiterpotenziale zu entwickeln und qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Über die gelungene Integration von acht gehörlosen Mitarbeitern/-innen berichtete Waltraud Haupts, Mitarbeitervertreterin in der Iwan Budnikowsky & Co KG. Kommunikationsbarrieren können mit Hilfe verschiedener Instrumente überwunden werden. Für ihre Tätigkeit im Lager nutzen die Kollegen zum Beispiel Schreibprogramme und hörende Kollegen/-innen erhalten Unterricht in Gebärdensprache. In den Seminaren für neue Mitarbeiter/-innen und in persönlichen Gesprächen stehen den gehörlosen Kollegen/-innen Gebärdendolmetscher zur Seite. Frau Haupts verwies auf die Angebote von Tess Relay-Dienste, die ferndolmetschen für Gehörlose offerieren. Die Kostenübernahme kann beim Integrationsamt beantragt werden.

Zum Thema „Schwerhörigkeit“ hat Heike Clauss, DIAS GmbH, im Forschungsprojekt „hörkomm“ einen Leitfaden für Unternehmen entwickelt, und in zahlreichen Firmen, u. a. bei der Airbus Operations GmbH, der Otto Group und der tesa SE, in Aktivitäten umgesetzt. Schwerhörigkeit betrifft ca. 20 Prozent der Bevölkerung, nimmt mit dem Alter zu und wird im Unternehmensalltag oft nicht wahrgenommen. Der Prävention kommt eine entscheidende Rolle zu. Unternehmen können durch Ausstattung, Materialien und Raumaufteilung gute akustische Bedingungen schaffen. Eine hörfreundliche Umgebung sollte bei Baumaßnahmen gleich mitgedacht werden, dann fallen auch die Kosten gering aus, z. B. beim Einbau einer induktiven Höranlage für Besprechungsräume.

Das Mitdenken von Vielfalt ist auch ein Anliegen, das Klaus Becker, Inklusionsbüro Hamburg, in der Unternehmenspraxis verankern möchte. Das Büro bietet Schulungen und „Runde Tische“ zum Informations- und Erfahrungsaustausch an und plant im kommenden Jahr gemeinsam mit dem Hamburger Sportbund eine Diversity Initiative, um die Zivilgesellschaft auf das Thema aufmerksam zu machen. Becker lobte das gut aufgestellte Hilfesystem in Hamburg und das Ansinnen der Fachkräftestrategie, die Beschäftigungsquote von Behinderten zu erhöhen, vermisste jedoch die Absicht, Führungskräfte dafür zu gewinnen, die Arbeitsbedingungen behindertengerecht zu gestalten.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass nicht etwa das Controlling das größte Hemmnis im Unternehmen darstellt, sondern Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen und Vorurteile bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit. Vorbehalte bauen sich jedoch am schnellsten in der Praxis ab. Teilnehmer/-innen berichteten in der Runde von positiven Erfahrungen und sehen darin eine Chancen für ihr Unternehmen, jede/n Mitarbeiter/-innen seinen individuellen Fähigkeiten gemäß einzusetzen und optimale Arbeitsbedingungen zu deren Entfaltung zu schaffen.

  

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Zukunftsforscher Erik Händeler begeisterte das Publikum mit seinen Thesen zur Zukunft der Arbeit
Senator Detlef Scheele und ddn Vorstand Wolfgang Witte im Zwiegespräch über Strategien zur Fachkräftesicherung
Andreas Steinke, Sparkasse Harburg-Buxtehude, Dr. med. Nina Sonntag, Airbus Operations GmbH, Eva-Sabine Neuhöfer, Siemens AG und Sven Richter, Carlsberg Deutschland GmbH im Praxisforum Gesundheit (v. links)
Die Angebote der Infostände regten zum Austausch an

Gesund und kooperativ – Der demographische Wandel erfordert neue Konzepte  in der Personalführung 

Politik, Zukunftsforscher und Unternehmen zeigen Lösungen für die Zukunft auf


Das Demographie Netzwerk Hamburg und die Initiative Neue Qualität der Arbeit präsentierten auf der Regionalkonferenz „Zukunft sichern – Arbeit gestalten“ am 2. Juli 2014, im ehemaligen Hauptzollamt, geballten Sachverstand aus Politik, Wirtschaft und Forschung: Schirmherr Senator Detlef Scheele, der ddn-Vorstand Wolfgang Witte, Zukunftsforscher Erik Händeler und Praktiker aus namenhaften Unternehmen zeigten vor mehr als 250 Gästen auf, wie Unternehmen auf Erfolgskurs gehen können.

"Von seelischer Gesundheit und vom Sozialverhalten hängt in der Wissensgesellschaft der Wohlstand ab." Diese Prognose traf Erik Händeler in seinem Vortrag "Die Geschichte der Zukunft – Was die Arbeitskultur von heute für den Wohlstand von morgen bedeutet." Er stellte fest, dass hinter dem Mangel an Menschen, hinter den steigenden Lohnnebenkosten der Mangel an Gesundheit stecke. Wenn Unternehmen in die Gesunderhaltung der Gesunden investieren und die Arbeit entzerren würden, könnten wir alle weniger und insgesamt länger arbeiten. 

 Eine effektive Nutzung vorhandener Ressourcen wird angesichts der demographischen Entwicklung und des Fachkräftemangels von immer größerer Bedeutung. Senator Detlef Scheele hat mit der Hamburger Fachkräftestrategie bereits ein Netzwerk aus wichtigen Institutionen in der Hansestadt initiiert. Auch wenn Hamburg erst ab 2020 stärker von dem Bevölkerungsrückgang betroffen sein wird, werden bereits jetzt Konzepte zur Bewältigung entworfen. 

Präventiv zu handeln, ist auch der Ansatz des Demographie Netzwerkes e. V., das Wolfgang Witte im Zwiegespräch mit dem Senator vorstellte. Unternehmen schließen sich hier zum Austausch und zur Weiterentwicklung ihrer Personalplanung zusammen und profitieren von der kooperativen Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Im Zuge der Regionalisierung ist im Frühjahr 2012 das Hamburger Demographie Netzwerk mit einer Anschubfinanzierung durch den Europäischen Sozialfonds entstanden. Das Netzwerk hat mit 57 Veranstaltungen bislang 270 Unternehmen erreicht und steht allen Hamburger Unternehmen offen.

Wie aktiv und effektiv Unternehmen aus der Region den Herausforderungen in der Unternehmens- und Personalplanung bereits begegnen, erfuhren die Gäste in vier Praxisforen. 

Im Forum "Mit Gesundheit punkten" stellten die Airbus Operations GmbH, die Carlsberg Deutschland GmbH, die Sparkasse Harburg-Buxtehude und die Siemens AG vor, wie sie die psychische Gesundheit in ihrem Unternehmen fördern. Unter der fachkundigen Moderation  von Dr. Maren Kentgens, Managerin Asklepios Connecting Health, wurden die Stärken der vier unterschiedlichen Konzepte deutlich. 

Zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter/-innen trägt auch eine lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung bei. Die Hamburger Hafen und Logistik AG, die Hamburger Volksbank und die tesa SE zeigten auf, dass es für jedes Unternehmen vielfältige Möglichkeiten gibt, eigene Modelle zu entwickeln. 

Unter dem Thema der Fachkräftesicherung und -gewinnung standen die Praxisforen zur strategischen Personalplanung und zum Employer Branding. Wie moderne Personalführung aussehen kann, zeigten ein großer Dienstleister, die Stute Logistics (AG & Co.) KG, und die Hadler D+H Mechatronic AG. Ist ein Unternehmen intern intern gut aufgestellt, funktioniert auch die Nachwuchsgewinnung. Tipps für die Entwicklung eines überzeugenden Employer Brandings und dessen effektiver Nutzung für die Fachkräftesicherung erhielten die Besucher/-innen im dritten Praxisforum. Die Techniker Krankenkasse setzt auf ein attraktives Arbeitgeberimage, um junge Leute ins Unternehmen zu holen. Kleine und mittelständische Unternehmen tun sich meist schwer mit der Außendarstellung. Ihnen bietet die Handwerkskammer Hamburg mit einer Imagekampagne Unterstützung an. Sie stellt Handwerksbetriebe Instrumente und Maßnahmen zur Verfügung, die diese nutzen und individuell gestalten können.

Wer den Austausch mit anderen Unternehmen auch nach dieser informativen Tagung fortsetzen möchte, ist im Demographie Netzwerk Hamburg herzlich willkommen. In vier Foren werden die Themen der Praxisforen aufgegriffen und weiter entwickelt. Informieren Sie sich auf der Regionalwebsite unter  http://hamburg.ddn-regionalnetzwerk.de.

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